Seitenhistorie
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Labordiagnostik wird fachübergreifend in nahezu allen medizinischen Disziplinen angewendet - sowohl im ambulanten Bereich als auch im klinischen stationären Umfeld. Laborergebnisse spielen eine zentrale Rolle bei der Anamnese, Diagnose, Behandlung und Nachsorge von Patient:innen. Der Fokus der ersten Ausbaustufe des MIO Laborbefund umfasst die Modellierung klinisch-chemischer und hämatologischer Laboruntersuchungen, einschließlich der Antigen- und Antikörperbestimmungen, womit ein Großteil (bis zu 90%) der im klinischen Alltag relevanten Laborergebnisse abgedeckt wird. Dies schließt auch bereits große Bereiche der Mikrobiologie ein, mit Ausnahme der Kulturdiagnostik, deren inhaltliche Weiterentwicklung im Einvernehmen mit dem Beirat so schnell wie möglich vorangetrieben wird.
Vorgehensweise
Beim MIO Laborbefund geht es um die Digitalisierung eines standardisierten, spezialisierten Befundberichtes. Für die Analyse und Erarbeitung des MIO Laborbefund wurden bewährte Konzepte aus aktuell genutzten Standards und Richtlinien sowie Vorarbeiten aus der Fachwelt berücksichtigt.
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In der AG FG Labor sind verschiedene laboratoriumsmedizinische Bereiche vertreten, sodass die große Bandbreite der Laboratoriumsmedizin im Blick behalten wird.
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Darüber hinaus gab und gibt es Abstimmungen mit der Industrie und der MIO Laborbefund empfangenden Seite / den behandelnden Personen, wie z.B. Deutsche Krankenhausgesellschaft e. V. (DKG), Hausärztinnen- und Hausärzteverband e. V. (HÄV), Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFA) sowie Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) und Verband der Diagnostica-Industrie e.V. (VDGH).
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Bestehende Arbeiten und Vorgaben zum Laborbefund
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Bisher gibt es keinen verbindlichen Standard für Laborbefunde, der sowohl im ambulanten als auch im stationären Sektor genutzt wird. Für die Analyse und Erarbeitung für das MIO Laborbefund wurden jedoch bewährte Konzepte aus aktuell genutzten Standards und Richtlinien sowie Vorarbeiten von Fachgremien berücksichtigt. Für die Datenstruktur liefert die Rili-BÄK 2019 (Richtlinie Bundesärztekammer)03, insbesondere Teil A Kap. 6 relevante Inhalte. Weiter gibt die DIN EN ISO 15189 Medizinische Laboratorien 04 im Kapitel „Befundberichte“ zur Rili-BÄK kompatible Vorgaben bezüglich der Anforderungen an einen Laborbefundbericht. Der Kommunikationsstandard LDT05, der vor allem im ambulanten Sektor zum Einsatz kommt, existiert in mehreren Versionen. Die aktuellste Version 3 hat jedoch keine flächendeckende Verbreitung in der ambulanten Labordatenkommunikation gefunden. Entwickelt wurde der LDT vom Qualitätsring Medizinische Software e. V. (QMS)06 und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Er liefert in seiner Datensatzbeschreibung Grundlagen für die Strukturierung von Laborbefunden und deckt alle Teilprozesse ab, wie z. B. Auftrag, Laborbefund und Abrechnungsdaten. Im Gegensatz dazu spezifiziert das MIO ausschließlich den Laborbefund als fachliches Gesamtergebnis des Prozesses und basiert auf international standardisierten Terminologien, was einen wichtigen Unterschied zum LDT darstellt.
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Im Zuge der Einführung des MIO müssen bestehende Übertragungsformate wie LDT, HL7v2 und HL7 FHIR berücksichtigt und idealerweise schrittweise durch das MIO Laborbefund ersetzt werden.
Harmonisierung verschiedener Spezifikationen mit Labordaten
Damit ein reibungsloser Datenaustausch und eine einheitliche Kommunikation von Labordaten gewährleistet werden kann, wird eine enge Harmonisierung mit bestehenden Standardisierungsprojekten angestrebt. Dies ist besonders im Hinblick auf den EU-grenzüberschreitenden Austausch von Gesundheitsdaten und die Einhaltung internationaler Standards von Bedeutung.
eHealth Network (eHN)09: HL7 Europe Laboratory Report10
Vom eHN (eHealth Network) wurden Guidelines entwickelt, die den grenzüberschreitenden Datenaustausch von Gesundheitsdaten in Europa unterstützen sollen. Grundlage der Aktivitäten des eHN ist die Cross-Border Directive EU2011/24. Diese wird zukünftig abgelöst werden durch die Verordnung zum Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS)12. Eine der entwickelten Guidelines ist die eHN Guideline Laboratory Report11. Auf Basis dieser Guideline wird von HL7® Europe aktuell ein IG Laboratory Report10 erarbeitet. Das Ziel ist eine in der EU abgestimmte Spezifikation mit Implementation Guide, von der nationale Spezifikationen / Standards ableiten können, um einen möglichst harmonisierten Datenaustausch zu ermöglichen. Mit Inkrafttreten der Verordnung zum Europäischen Gesundheitsdatenraum und der Festlegung des IG Laboratory Report im Rahmen von myHealth@EU, wird dessen Umsetzung und der Datenaustausch darauf basierend verpflichtend für alle europäischen Mitgliedstaaten.
Betroffene Gesundheitsdaten sollten daher weitmöglich harmonisiert werden, um Anpassungen beim Datentransfer in Europa und den damit verbundenen Datentransformationen zu vermeiden. Der HL7 Europe IG Laboratory Report und dessen Umsetzung in myHealth@EU sind somit richtungsweisend für das MIO Laborbefund sowie weitere nationale Projekte (MII, DEMIS, ARS, ISiK) und sollten bei der Spezifikation berücksichtigt werden. Die mio42 GmbH beteiligt sich an den HL7® Europe-Arbeiten am IG Laboratory Report, um eine Harmonisierung mit dem MIO Laborbefund sicherzustellen. Diese Arbeiten finden parallel zum MIO Laborbefund-Projekt statt.
Medizininformatik Initiative (MII)01: Kerndatensatz Modul Laborbefund13
DieMII01 legt den Fokus auf die Vereinheitlichung der Daten an universitätsmedizinischen Standorten, um diese vor allem für Forschungszwecke zu nutzen. Dazu hat sie u. a. das Kerndatensatz Modul Laborbefund13 entwickelt. Dieses ist in HL7® FHIR® spezifiziert und folgt sowohl nationalen als auch internationalen Standards, wie LOINC®14 und SNOMED®15. Die Arbeiten der MII und der mio42GmbH wurden gegenseitig gesichtet und sind in die Ausgestaltung der jeweiligen Modellierungen eingeflossen.
Deutsches Elektronisches Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz (DEMIS)16
Das Deutsche Elektronische Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz (DEMIS) ermöglicht seit Juni 2020 bundesweit die elektronische Meldung gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG). Eine Harmonisierung wird insofern angestrebt, sodass zukünftig eine Teilmenge aus dem MIO Laborbefund in die DEMIS-Meldung automatisiert übernommen werden kann.
Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS)17
Die Entstehung und Ausbreitung von Resistenzen gegen Antibiotika hat sich weltweit zu einem gravierenden Problem der öffentlichen Gesundheit entwickelt, da dadurch die Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten zunehmend erschwert wird. Als Reaktion darauf hat das Bundesministerium für Gesundheit die Deutsche Antibiotika Resistenzstrategie (DART) entwickelt. Eine zentrale Stellung nehmen dabei Surveillance-Systeme zur Antibiotika-Resistenz sowie zum Antibiotika-Verbrauch ein, um auf der Basis verlässlicher und repräsentativer Daten Maßnahmen zur Begrenzung des Problems ergreifen zu können. Eine Harmonisierung wird insofern angestrebt, sodass zukünftig eine Teilmenge aus dem MIO Laborbefund in die ARS-Meldung automatisiert übernommen werden kann.
Informationstechnische Systeme in Krankenhäusern (ISIK)18
Die gematik entwickelt mit ISiK18 einen Standard zum Informationsaustausch zwischen Softwarekomponenten im Krankenhaus. Nach derzeitigem Stand umfasst ISiK noch keine Labordatenkommunikation, sondern lediglich ein Support-Modul für Laboruntersuchungen in AMTS-Use-Cases. Die Spezifikationen wurden gegenseitig gesichtet, und der Austausch wird fortgeführt.
Gegenüberstellung der verschiedenen Labor-Spezifikationen durch die mio42 GmbH
Die Spezifikationen MII, DEMIS, ISiK sowie das MIO Laborbefund wurden im Hinblick auf ihre Kompatibilität mit dem HL7 Europe Laboratory Report10 verglichen und gegenübergestellt.
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StandStand: Juni 2024
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Terminologien im MIO Laborbefund
In Deutschland gibt es noch keine verbindliche Vorgaben bzw. kein einheitliches Vorgehen, um eine semantische Interoperabilität von Labordaten sicherzustellen. Bisher werden Laboruntersuchungen in den Leistungskatalogen der Labore überwiegend mit systemeigenen Codes zur Identifikation versehen. Für die codierte Spezifikation von Laboruntersuchungen ist international und EU-weit LOINC®14 als als Code-System anerkannt und etabliert (Erklärung LOINC®
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Im MIO Laborbefund sollen deshalb die einzelnen Laboruntersuchungen über LOINC® spezifiziert werden. Laborergebnisse, die qualitativ angegeben werden müssen, werden mit SNOMED CT®15 codiert (Erklärung SNOMED CT®
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Laboruntersuchung "Fragestellung":
Qualitatives Ergebnis "Antwort":
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Deutschsprachige LOINC®-Liste
Ein großer Teil der internationalen laborspezifischen LOINC®-Codes wurde vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)02 ins Deutsche übersetzt und durch das Regenstrief Institute21 als aktualisierte "LOINC® DE15 Linguistic Variants" veröffentlicht unter:
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LOINC®-Integration in den Primärsystemen
Die Integration von LOINC®-Codes in die Primärsysteme der elektronischen Laborbefunddokumentation stellt einen wichtigen Schritt in der Standardisierung und Optimierung von Laboranalysen dar. Hier sind die Schlüsselpunkte und Herausforderungen dieser Integration zusammengefasst:
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Automatisierte Zuordnung in der Systemanwendung: Bei der elektronischen Laborbefunddokumentation werden LOINC®-Codes, die in den Katalogdaten bereits verknüpft sind, als Hintergrundverarbeitung mitgegeben. Die Befund-dokumentierende Person (z.B. Laborärzt:innen) hat diesbezüglich keinen Codier-Aufwand.
Unterstützungsangebote
Deutschsprachige LOINC®-Liste: Eine umfassende, deutschsprachige Liste ermöglicht eine präzisere Recherche und Zuordnung von Codes, was die Integration erleichtert.
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Benutzer-Handbuch und Schulungen: Die KKG AG LOINC® des BfArM arbeitet an einem Handbuch und bietet Schulungen an, um die Labore in der LOINC®-Codierung von Laborleistungen zu unterstützen. Dies fördert das Verständnis und die korrekte Anwendung der LOINC®-Codes im Laborbetrieb.
Fazit
Die Spezifikation des MIO Laborbefund wurde unter Berücksichtigung von Standards und Fachexpertise entwickelt, um eine breite fachliche und sektorenübergreifende Akzeptanz zu gewährleisten.
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Für die syntaktische Interoperabilität beim digitalen Austausch von Laborbefunden streben wir ein einheitliches Format (HL7® FHIR®) an, welches zukünftig von sämtlichen Software-Systemen direkt gelesen und angezeigt werden kann.
Stand: November 2024
REFERENZEN
01. Medizininformatik Initiative (MII)
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03. RiLi-BÄK 2019: Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen:Mio iconlink Link https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloadsBAEK/pdf-OrdnerThemen/QSQualitaetssicherung/Rili_Bek_BAEK_QualitaetssichergRiLi_QS_laboratoriumsmedUntersuchungenlaboratoriumsmedizinischer_2019Untersuchungen.pdf LinkTitle https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloadsBAEK/pdf-OrdnerThemen/QSQualitaetssicherung/Rili_Bek_BAEK_RiLi_QualitaetssichergQS_laboratoriumsmedUntersuchungenlaboratoriumsmedizinischer_2019Untersuchungen.pdf
04. DIN EN ISO 15189 Medizinische Laboratorien - Anforderungen an die Qualität und Kompetenz:
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05. Labordatentransfer (LDT)
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13. MII-Kerndatensatz Modul Laborbefund
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18. Informationstechnische Systeme in Krankenhäusern (ISIK)Mio iconlink Link https://simplifier.net/guide/isik-basis-v4/ImplementationGuide-markdown-Motivation?version=currencurrent LinkTitle https://simplifier.net/guide/isik-basis-v4/ImplementationGuide-markdown-Motivation?version=currencurrent
19. X-eHealth: X-eHealth Deliverable ID5.3 - Laboratory Requests and Reports guideline and functional specificationMio iconlink Link https://www.x-ehealth.eu/documentation//wp-content/uploads/2022/09/D5.3-Laboratory-Requests-and-Reports-guideline-and-functional-specifications.pdf LinkTitle https://www.x-ehealth.eu/documentation/wp-content/uploads/2022/09/D5.3-Laboratory-Requests-and-Reports-guideline-and-functional-specifications.pdf
20. What LOINC® is
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