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Die chronische Wunde ist eine Integritätsverletzung der Haut, deren phasengerechte Abheilung fehlschlägt. Chronische Wunden sind durch lange Krankheitsverläufe mit komplexen und aufwendigen Therapien von großer gesundheitspolitischer und sozioökonomischer Bedeutung [1]. Zudem sind sie hochprävalent. So lag die Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung für die chronische chronischen Wunden des Dekubitus und des Ulcus Cruris bei bei 4,6 % und 4,0 % [2]. Bei pflegebedürftigen Personen ist die Prävalenz sogar noch höher. Eine Studie zeigte, dass von 880 Personen, die von ambulanten Pflegediensten behandelt wurden, 101 Personen (11 %) eine behandlungsbedürftige chronische Wunde hatten.
Menschen mit chronischen Wunden werden von unterschiedlichen Behandelnden nacheinander oder parallel therapiert. Voraussetzung für eine hochwertige Therapie ist der Informationsfluss zwischen den Behandelnden [3]. Eine patientenzentrierte digitale Patientenakte, die den Behandelnden die überleitungsrelevanten Informationen bereitstellt, kann diesen notwendigen Informationsfluss gewährleisten.
Vorgaben zum MIO
Von der klinischer Seite werden Empfehlungen für die Informationsüberleitung ausgesprochen. So empfiehlt die AWMF S3-Leitlinie Leitlinie Lokaltherapie chronischer Wunden der deutschen Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e. V. (DGfW) Maßnahmen zur Anamneseerhebung und Dokumentation [4]. Zudem fordert das Deutsche Netzwerk zur Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) in ihrem Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden eine "inter- und intraprofessionelle Verfahrensregelung zur Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden", wobei sich diese Forderung auf die Anamnese und den Informationsaustausch innerhalb von Einrichtungen bezieht [5] und weniger auf eine organisationsübergreifende, patientenzentrierte Informationssammlung, die zum Beispiel Teil einer elektronischen Patientenakte ist.
Demnach fehlen in Deutschland verpflichtende (gesetzliche oder richtlinienbasierte) Vorgaben für einen organisationsübergreifenden Informationsaustausch bei chronischen Wunden. Mit der (gesetzlichen) Einführung der Medizinischen Informationsobjekte (MIOs), die Informationselemente der nationalen elektronischen Patientenakte (ePA) sind, eröffnete sich für die klinischen Beteiligten die Möglichkeit, ein Informationsobjekt MIO für die Informationsübergabe von wundrelevanten Informationen sowohl inhaltlich als auch technisch zu erarbeiten und zu konsentieren. Das Ergebnis soll unter dem Namen Überleitungsbogen Chronische Wunde als Teil der nationalen Patientenakte eingeführt werden, um einen schnellen, einfachen und sicheren Informationsaustausch zu ermöglichen.
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1.) Sichtung relevanter Literatur:
Auf Basis einer wissenschaftlichen Literaturrecherche, der Analyse bestehender Wunddokumentationen und -überleitungen und der systematischen Sichtung von konsentierten, wundrelevanten Leitlinien wurde ein Dokumentationsmodell erarbeitet.
2.) Konsentierung eines Informationsmodells:
Dieses Modell wurde von ärztlichen und pflegerischen Wundexpert:innen in Delphi-Runden validiert und ergänzt.
3.) Technische Umsetzung:
Das klinische Informationsmodell wurde als UML-Klassendiagramm modelliert und mit den führenden Fachgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Wundversorgung und Wundheilung ee. V. (DGfW), Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde e. V. (FgSKW) und Initiative Chronische Wunden e. V. (ICW) inhaltlich konsentiert und mit der Standardisierungsorganisation HL7 Deutschland e. V. technisch abgestimmt [6,7].
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Ein fachlich konsentiertes und zukünftig in der Praxis angewandtes MIO Überleitungsbogen Chronische Wunde ist in der Lage, durch das Vermeiden von Informationsverlusten den Leidensdruck für Betroffene zu senken.
Stand: Juli August 2023
References
1] Herberger K et al. Nationaler Konsensus zur Wunddokumentation beim Ulcus cruris. Teil 2: Routineversorgung – Klassifikation der Variablenausprägung. Der Hautarzt, Heidelberg 2017: Springer; DOI 10.1007/s00015-017-4012-6
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