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Aktuell gibt es keine gesetzliche oder andere allgemein verpflichtende Vorgabe bezüglich Form und Inhalt des Überleitungsbogens. Verbände aber auch Institutionen haben eigene Formulare entwickelt. In Folge besteht das Risiko, dass Informationen, die für eine empfangende Institution relevant sind, nicht im Formular der überleitenden Insttution enthalten sind, da dieses kein Feld dafür enthält. Überleitungsbögen werden in Papierform oder als Dokument übertragen. Die empfangende Pflegekraft muss die Informationen manuell in ihr Verwlatungssystem eintragen. Handschiftlich asgefüllte Dokumente bergen die Gefahr der Unelsbarkeit, zusätzlich führen Synonyme eventuell zu Missverständnissen. Das Bild, welches die empfangend Pflegekraft von dem Versicherten hat, ist ggf. unvollständig, oder sogar fehlerhaft.
Die Informationen, die im MIO Überleitungsbogen erfasst und üertragen werden, sindmit allen relevanten Verbänden abgestimmt. auf diese Weise wird sichergestellt, dass alle Informationen, die aus sicht der verschiedenen Beteiligten von Relevanz sind, im Überleitungsbogen enthalten sind. Das MIO stellt ein allgemeingültiges Codierungssystem bereit, so dass Begriffe nicht missverständlich formuliert oder falschinterpretiert werden können. Das MIO kann, wenngleich für die elektronische Patientaneakte entwickelt, auch zwischen Verwaltungssystem (z.B. per KIM) übermittelt werden, so dass ein Medienbruch vermieden wird.
Allgemein bedeutet dies:
- Die Dokumentation der der Pflegeüberleitung erfolgt in einheitlich strukturierter und gut lesbarer Form. Die Übertragung erfolgt ohne Medienbrüche. Die Dokumentation ist umfassender und eindeutig formuliert, so dass Missverständnisse oder Fehlinterpretationen und eventuelle daraus resultierende Fehlbehandliungen vermieden werden.
Für Versicherte bedeutet dies:
Die Überleitung in eine andere Institution bedeutet für die / den Versicherte(n)oftmals eine erhebliche Stresssituation. Die heute oftmals notwendige erneute und als lästig, mithin als ärgerlich empfundene Abfrage von an anderer Stelle schon gemachten Angaben, die den Stressfaktor noch einmal erhöht, enfällt. Durch die Reduzierung der formalen Fragen, kann die Pflegefachkraft schneller auf die individuellen Belange der / des Versicherten eingehen. Damit besteht die Möglchkeit, die Stresssituation schneller abzubauen, ein Wohlbefinden schneller herbeizuführen.
Für Pflegefachkräfte bedeutet dies:
Für die empfangende Institution gilt, dass durch die automatisierte Übernahme der Daten in das Verwaltungssystem die zeitaufwändige manuelle Eingabe entfällt. Informationen können automatisch an der vorgesehenen Stelle des Verwaltungssystms übernommen werden. Die Pflegefachkraft erhält alle relevanten Informationen in der Form ihres Verwaltungssystems, mit der sie gewohnt ist, zu arbeiten. Rückfragen oder Recherche werden reduziert oder entfallen vollständig. Die Pflegefachkraft erhält ein weitgehend vollständiges Bild bei geringerem Aufwand und kann sich besser auf die Person konzentrieren. Ggf. kann der Überleitungsbogen auch z.B. per KIM im Vorfeld zugestellt werden, so dass die Pflegekraft sich schon vor dem Eintreffen der/des Versicherten ein Bild machen kann.
Aus Sich der entsendenden Pflegefachkraft entfällt das manuelle Ausfüllen des Überleitungsbogens. Daten können aus dem System direkt übernommen werden. Zudem bietet das MIO automatische Befüllen, bzw. vorgegebene Valuesets. Dies erspart die Suche nach entsprechenden Ausdrücken, bzw. Synonymen. Es besteht die Möglichkeit auch die vorausgegangene Dokumentation einzusehen ohne nach zusätzlichen (möglicherweise verlorenen) Papierdokumenten suchen zu müssen.
Für Ärzte/Logopäden/Physiotherapeuten/Sozial Arbeiter/Case Manager bedeutet dies:
- Es kann auch in diesen Fachbereichen vorteilhaft oder notwendig sein Zugriff auf den Patientenüberleitungsbogen zu erhalten, um sich bei der Zusammenarbeit mit der / dem Versicherten pflegerelevante Aspekte berücksichtigen zu können.
- Stand: Datum einfügen (Monat Jahr)
Allgemeine Bedeutung
Aktuell dient ein Überleitungsbogen, vergleichbar mit dem Arztbrief, vorrangig den Pflegfachpersonen in Verlegungs- oder Entlassungsszenarien von Pflegeempfangenden als Dokument zur Informationsweiterleitung in sämtlichen Pflegesettings (z.B. Seniorenheim, ambulante Pflege, Krankenhaus). In bisherigen Überleitungsdokumenten unterscheiden sich die Struktur oder die abgefragten Inhalte zwischen den verschiedenen Einrichtungen, was den Informationsfluss für ein nahtloses Versorgungsmanagement erschweren kann.
Zukünftig wird der elektronische Überleitungsbogen als standardisiertes und interoperables Pflegedokument die Vollständigkeit aller notwendigen pflegerelevanten Informationen zur Vermeidung einer lückenhaften Überleitung sicherstellen und diese Informationen für alle pflegerelevanten Settings austausch- und nutzbar machen. Daneben wird gewährleistet, dass die Inhalte der Elemente von Sender und Empfänger gleich verstanden werden. Lediglich die Darstellung kann einrichtungsbezogen voneinander abweichen. Damit leistet das PIO Überleitungsbogen einen sinnvollen Beitrag im Versorgungsalltag. Neben der Entlastung von professionell Pflegenden ermöglicht der elektronische Überleitungsbogen auch eine sichere sektorenübergreifende Kommunikation und die Steigerung der Versorgungsqualität im Sinne der Pflegeempfangenden1.
Bedeutung für Pflegeempfangende
Für eine stabile und bedarfsgerechte Versorgung Pflegeempfangender beim Wechsel zwischen pflegenden Einrichtungen ist die Kontinuität der pflegefachlichen Versorgung von besonderer Relevanz. Der elektronische Überleitungsbogen kann mittels Austausch von vollständigen, klar strukturierten Daten eine einrichtungs- und sektorenübergreifende Informationskontinuität gewährleisten und damit die Pflege- / Versorgungsqualität sowie die Sicherheit der Pflegeempfangenden erhöhen und Versorgungsbrüche vermeiden1. Diese Versorgungskontinuität trägt sowohl zur Zufriedenheit und zur Entlastung der Pflegeempfangenden als auch ihrer An- und Zugehörigen bei und gibt ihnen ein Gefühl der Sicherheit.
Bedeutung für Pflegefachpersonen
Das PIO Überleitungsbogen dient den Pflegefachpersonen zur Weitergabe aller pflegerisch relevanten Informationen zum aktuellen Zustand der zu pflegenden Person. Diese Informationen werden digitalisiert und strukturiert zur Verfügung gestellt. Das erleichtert vor allem die bisher sehr aufwendige Kommunikation über alle Settings hinweg. Die Interoperabilität der Datenstruktur ermöglich einen reibungsarmen Austausch der Daten zwischen den verschiedenen Softwaresystemen, wobei es einer geführten Übernahme durch qualifiziertes Personal bedarf. Die teilweise noch bis dato zeitaufwändige manuelle Eingabe und der damit verbundene bürokratische Mehraufwand können damit entfallen. Zur Veranschaulichung der Anwendung des PIO Überleitungsbogen werden hier Fallbeispiele für AnwenderInnen und EntwicklerInnen (Fallbeispiel 1 und Fallbeispiel 2) vorgestellt.
Idealerweise sollte der Überleitungsbogen der nachversorgenden Einrichtung unmittelbar z.B. per KIM zugestellt werden, sodass die Pflegefachperson schon vor dem Eintreffen der zu pflegenden Person etwaige Vorbereitungen treffen kann. Für Pflegefachpersonen in der empfangenden Einrichtung können Rückfragen oder aufwendige Recherchen somit deutlich reduziert werden. Sie erhalten einen umfassenden Eindruck der aktuellen Verfassung der zu pflegenden Person und zu pflegefachlich relevanten Aspekten. Außerdem können Fehl- und Desinformation bei Pflegenden deutlich reduziert und damit unabgestimmte Tätigkeiten vermieden werden. Die Resultate sind neben der bereits erwähnten Zeitersparnis vor allem Entlastung, Stressreduktion und eine höhere Arbeitszufriedenheit beruflich Pflegender1.
Zukünftig könnten strukturierte Daten darüber hinaus die Möglichkeit bieten, bei mehreren Überleitungsbögen in der ePA - z.B. aufgrund von Einrichtungswechsel - automatisierte Verlaufsanalysen von Pflegezuständen vorzunehmen (Verbesserung / Verschlechterung / Veränderung).
Bedeutung für andere Gesundheitsberufe
Zur Pflegeüberleitung zählen sämtliche Interventionen, die den Versorgungsbedarf bei einem Übergang in eine neue Betreuungssituation sicherstellen und Versorgungsbrüche vermeiden. Zur Gewährleistung und Verbesserung der Versorgungsqualität sind daher Interdisziplinarität, Interprofessionalität und Kooperation in den verschiedenen Gesundheitsberufen unerlässlich. Das PIO Überleitungsbogen kann dazu beitragen, die Zusammenarbeit aller am Versorgungsprozess Beteiligten effizienter und effektiver zu gestalten und zu stärken. Für ein solch abgestimmtes und koordiniertes Handeln ist es sinnvoll, dass sämtliche Gesundheitsberufe Einsicht in den Überleitungsbogen erhalten. Darüber hinaus kann es gelingen, die Kommunikation untereinander zu optimieren sowie nachhaltig eine ganzheitliche Sicht auf die Pflegeempfangenden zu erlangen.
Querverweise
- Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg), Bundespflegekammer, Deutscher Pflegerats (DPR), Forschungsgruppe Informatik im Gesundheitswesen der Hochschule Osnabrück und Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein (Hrsg.). Gemeinsames Diskussionspapier: Interoperabilität & technische Standards in der Pflege. Berlin, 2021. Accessed October 20, 2021 via: https://www.bvitg.de/wp-content/uploads/2021-06-16_bvitg_DPR_HSOS_PKSH_BPK_DP-Interoperabilitaet-Pflege.pdf.pdf